Da klingelt es vor ein paar Tagen an der Haustüre, und jemand hält mir einen Zettel hin:
“Ich habe meine Haus und meine Familie bei Hochwasser verloren und bitte um eine Spende”
Was tun?
Nach einem kurzen Blick auf diesen Mann habe ich nichts gegeben, “Nein” gesagt und die Türe zugemacht. Aus Herzlosigkeit, aus Geiz?
Ich spende gerne für Projekte in unserem Dorf – wenn die Kerwa-Burschen (Kirchweih-Burschen) klingeln und um Unterstützung für das jährliche Fest bitten, wenn unsere Feuerwehr für ein neues Einsatzfahrzeug sammelt, oder auch wenn ein Zirkus in der verlassenen Zieglelei überwintert und Futtergeld braucht. Wir haben zwei Kinderdorf-Patenkinder (in Laos und in Somalia). Außerdem bin ich selber einige Jahre von Haustür zu Haustür gegangen, habe für eine caritative Einrichtung gesammelt und kenne daher auch die “andere” Seite der Medaille.
Aber dieser Mann… da habe ich frei nach Gerd Gigerenzer mein Bauchgefühl sprechen lassen. Wie sollte ich herausfinden, ob seine Geschichte wahr ist? Er war gepflegt, gut rasiert, seine Klamotten waren sauber, ordentlich, nicht billig. Der zerlesene Zettel war mit einem Computer gedruckt. Es ist natürlich gewagt, allein daraus zu schließen, dass jemand einfach nur bequem an Geld kommen will, ohne wirklich in Not zu sein. Ja, ich hatte später ein ungutes Gefühl, ein schlechtes Gewissen. Aber mir blieben nur wenige Sekunden, um zu entscheiden.
Ich hatte befürchtet, dass ich nie erfahren würde, ob meine Entscheidung richtig oder falsch war. Aber nach diesem Zeitungsbericht
Bettler fahren in der Limousine vor
ist klar: mein Bauchgefühl hat funktioniert.
So im Nachhinein kann man sich natürlich fragen, warum ich nicht selber mal bei der Polizei angerufen habe, um den Kerl überprüfen zu lassen. Aber die Limousine hatte ich nicht bemerkt (die stand vermutlich auf dem Supermarktparkplatz) und so sicher war ich mir mit meinem Bauchgefühl dann auch nicht. Vielleicht beim nächsten Mal? Man lernt ja nie aus!

