Eine kleine Sage

Vor langer Zeit, als der Schokoriegel Twix noch auf den Namen „Raider, der Pausensnack“ hörte und Handys gänzlich unbekannt waren, gab es einen Teenager namens Klein-Vera. Klein-Vera stand mit der Schule auf Kriegsfuß, obwohl (oder weil?) die Eltern große Erwartungen hegten und Klein-Vera zum Gymnasium schickten, auf dass sie klug und erfolgreich würde. Dort entdeckte das Kind sein Interesse an der Psychologie. Weil das aber kein Schulfach war, setzte sich Klein-Vera mit sechs Gleichgesinnten dafür ein, wenigstens Pädagogik als Leistungskurs wählen zu können – und so geschah es auch.

Schon damals hatten die Götter bestimmt, dass nur geistige Überflieger mit Einser-Abitur an den Universitäten in die Geheimnisse der menschlichen Gedankengänge eingeweiht werden durften. Deshalb machte sich Klein-Vera keine großen Hoffnungen, in den erlauchten Kreis aufgenommen zu werden – trotzdem wählte sie ihre weiteren Abiturfächer einfach entsprechend ihrer größten Stärken aus. Was die Chance auf eine sehr gute Durchschnittsnote leider nicht wesentlich erhöhte. So wurden die weiteren Abiturfächer dann: Englisch, gefolgt von Chemie und Biologie.

Lehrer und Eltern schüttelten den Kopf sorgenvoll ob dieser unklugen Auswahl. Da auch die Zensuren nicht wesentlich über ein Befriedigend hinauskamen, wurde Klein-Vera eine Zukunft bei der Müllabfuhr weis gesagt und im Elternhaus herrschte Heulen und Zähneklappern.

Klein-Vera war noch nicht bereit, den Traum von der Psychologie aufzugeben und entdeckte die Möglichkeit, über den Umweg einer Laufbahn bei der Kriminalpolizei ans Ziel zu gelangen. Doch als die Tinte auf dem Abiturzeugnis getrocknet war, ward sie von den Göttern verflucht und die Kripo beschloss einen Einstellungsstopp auf unbestimmte Zeit.

Um endlich auf eigenen Beinen zu stehen, nahm sie schließlich eine Ausbildungsstelle in genau dem Beruf an, bei dem sie sich als Kind geschworen hatte, ihn nie nie niemals ausüben zu wollen, weil sie absolut nicht in die Fußstapfen ihrer Eltern treten wollte. So wurde sie Chemielaborantin. Die Arbeit machte ihr wider Erwarten Spaß weil sie abwechslungsreich und interessant war – aber ihr waren auch ständig die Gefahren bewusst, die die Tätigkeit in einem chemischen Forschungslabor mit sich brachten.

Später gab sie den Beruf auf, bekam drei Kinder, baute mit ihrem Mann ein Haus und lebte leicht frustriert vor sich hin. Bis ans Ende ihrer Tage. So dachte sie.

Bis die Götter gänzlich unerwartet doch ein Einsehen hatten und ihnen der Gedanke kam, dass vielleicht auch Menschen ohne Einser-Abitur gute Psychologen werden könnten. So kam es, dass die damals geschmähten Abiturfächer von Klein-Vera plötzlich doch einen Sinn bekamen, denn alle diese Kenntnisse würden ihr nun im Studium helfen, das Ziel doch noch zu erreichen.

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2 Antworten to “Eine kleine Sage”

  1. weinbergschnecke Says:

    Die Götter müssen verrückt sein … wenn sie Menschen, die sich ein festes Ziel gesetzt, den eisernen Willen, die hinreichende Begabung und die benötigten Vorkenntnisse haben, den Weg versperren oder Steine in selbigen legen. Zum Glück haben sie sich noch eines Besseren besonnen!
    Ich wünsch dir alles Gute auf deinem Weg, mag er auch etwas kurvig gewesen sein und mag das BA-Studium auch unschöne und z.T. überhöhte Hürden bereithalten. Du wirst das schaffen! Viel Erfolg und auch viel Freude dabei!

    lg,
    weinbergschnecke

  2. Blog-News: FernUni Hagen - Seite 9 - Fernstudium-Infos.de Says:

    […] Blog-News: FernUni Hagen Melanie: – Warten Tanja: – der Lernalltag – BWL – faule Uni Vera: – Eine kleine Sage – Musik __________________ Fernstudium-Infos.de Markus Jung e. K. … Alles zum Thema […]

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