Archive for Juli 2010

Bauchgefühl

18. Juli 2010

Da klingelt es vor ein paar Tagen an der Haustüre, und jemand hält mir einen Zettel hin:

„Ich habe meine Haus und meine Familie bei Hochwasser verloren und bitte um eine Spende“

Was tun?

Nach einem kurzen Blick auf diesen Mann habe ich nichts gegeben, „Nein“ gesagt und die Türe zugemacht. Aus Herzlosigkeit, aus Geiz?

Ich spende gerne für Projekte in unserem Dorf – wenn die Kerwa-Burschen (Kirchweih-Burschen) klingeln und um Unterstützung für das jährliche Fest bitten, wenn unsere Feuerwehr für ein neues Einsatzfahrzeug sammelt, oder auch wenn ein Zirkus in der verlassenen Zieglelei überwintert und Futtergeld braucht. Wir haben zwei Kinderdorf-Patenkinder (in Laos und in Somalia). Außerdem bin ich selber einige Jahre von Haustür zu Haustür gegangen, habe für eine caritative Einrichtung gesammelt und kenne daher auch die „andere“ Seite der Medaille.

Aber dieser Mann… da habe ich frei nach Gerd Gigerenzer mein Bauchgefühl sprechen lassen. Wie sollte ich herausfinden, ob seine Geschichte wahr ist? Er war gepflegt, gut rasiert, seine Klamotten waren sauber, ordentlich, nicht billig. Der zerlesene Zettel war mit einem Computer gedruckt. Es ist natürlich gewagt, allein daraus zu schließen, dass jemand einfach nur bequem an Geld kommen will, ohne wirklich in Not zu sein. Ja, ich hatte später ein ungutes Gefühl, ein schlechtes Gewissen. Aber mir blieben nur wenige Sekunden, um zu entscheiden.

Ich hatte befürchtet, dass ich nie erfahren würde, ob meine Entscheidung richtig oder falsch war. Aber nach diesem Zeitungsbericht

Bettler fahren in der Limousine vor

ist klar: mein Bauchgefühl hat funktioniert.

So im Nachhinein kann man sich natürlich fragen, warum ich nicht selber mal bei der Polizei angerufen habe, um den Kerl überprüfen zu lassen. Aber die Limousine hatte ich nicht bemerkt (die stand vermutlich auf dem Supermarktparkplatz) und so sicher war ich mir mit meinem Bauchgefühl dann auch nicht. Vielleicht beim nächsten Mal? Man lernt ja nie aus!

Festgelesen

10. Juli 2010

Da wollte ich nur ganz brav im Asendorpf (Psychologie der Persönlichkeit) nachschlagen, wie der IQ genau berechnet wird, und eine Stunde später schmökere ich immer noch in dem Buch. Schlimm! Das kommt doch alles erst nächstes Semester dran. Es ist sooo interessant, aber ich habe einfach keine Zeit, das schon alles zu lesen. *seufz*. Vielleicht lege ich es mir auf den Nachttisch.

Bis nächste Woche muss ich das Testkonstruktions-Skript komplett durchgearbeitet haben, denn am Samstag ist in München die Präsenzveranstaltung dazu. Ab 9 Uhr! Fast unmöglich, da per Zug pünktlich hinzukommen. Der erste ICE des Tages ist erst um 8:40 Uhr am Hauptbahnhof – dann muss ich noch zwei Stationen mit der U-Bahn fahren und ca. 10- 15 Minuten laufen. Ich habe schon ernsthaft überlegt, einen Klapproller oder das Kickboard mitzunehmen, um die Strecke schneller zu schaffen. Ohne Gepäck (Laptop mit SPSS ist Pflicht, dann noch Skript, Schreibzeug, Getränk und Verpflegung) wäre ich schneller, aber mit dem schweren Rucksack kann ich nicht joggen. Ob mich der Uni-Pförtner überhaupt mit einem Kickboard in die Uni reinlässt?

20 Uhr, 33 Grad :-)

9. Juli 2010

Sorry an alle, die mit der Hitze nicht klarkommen – aber ich finde es herrlich und fühle mich endlich mal pudelwohl. Mag wohl auch daran liegen, dass die Luftfeuchtigkeit im Moment nicht so hoch ist. Es wäre jetzt das richtige Wetter, um zum Lernen draußen auf der Terrasse zu sitzen. Ab und zu mal einen Sprung in den Pool. Optimal.

Leider plantschen in unserem Becken gerade an die 15  Jugendliche herum, die Terrasse ist mit Tischen und Stühlen zugestellt und in unserem Wohnzimmer lagen Essen, Getränke, Bowle und Nachtisch für eine halbe Kompanie. So ist das, wenn die „Kinder“ schon alt genug für eigene Partys sind, aber noch nicht ausziehen mögen. Wäre ja auch blöd, eine solche Location aufzugeben 😉 .

Ich konnte in meiner Jugend nur davon träumen. Für „Partys“ musste ich mein 12 m²-Zimmerchen nutzen, ein Pool war trotz vorhandenem Garten nicht drin. Zu meiner Zeit war das unerschwinglich teuer. Wir hatten ja damals nix.

Manchmal fürchte ich, dass meine Kids zu verwöhnt sind. Wenn ich erzähle, dass unser Badezimmer damals keine Heizung und kein warmes Wasser aus der Leitung hatte, schauen die mich immer an als wenn sie sagen wollten: „Ja klar, und die Kinder bringt der Storch!“.  Da fühle ich mich plötzlich sehr alt. Nein, ich möchte nicht darüber nachdenken, dass man in nicht allzuferner Zukunft über mich behaupten darf: die hat schon vor einem halben Jahrhundert gelebt!

Andererseits weiss ich eine heiße Dusche zu schätzen. Und unsere Zentralheizung. Und den Pool. Und die Wärme Süddeutschlands. Und den Sommer als solches. Hach!